Eine Gasverknappung könnte die europäischen Staaten in eine Lage versetzen, in der „man selbst mit Geld keinen Strom mehr bekommt“, warnt Montenegro.

Eine Unterbrechung der russischen Gaslieferungen und eine massive Umstellung auf Strom würden zu einem „allgemeinen Energiekollaps“ in Europa führen, sagte der montenegrinische Premierminister Dritan Abazovic am Montag.

In seiner Rede vor dem Parlament erinnerte Abrazovic an die jüngsten Äußerungen des deutschen Vizekanzlers Robert Habeck, der seinen Landsleuten angesichts der drohenden Energieprobleme in der Winterzeit riet, weniger Zeit unter der Dusche zu verbringen und warme Kleidung einzupacken.

Abrazovic ist der Ansicht, dass jeder, der in seiner Regierung einen solchen Ratschlag geben würde, sich lächerlich machen würde. Die montenegrinischen Minister konzentrieren sich jetzt darauf, eine solche Krise zu verhindern, sagte er, aber nicht alles hängt von ihnen ab.

Wenn es dazu kommt, dass Russland im Herbst oder mit Beginn der kalten Tage kein Gas mehr in einem Umfang nach Westeuropa liefert, der die Wirtschaft zufrieden stellt, und auf Strom umstellt, wird es zu einem allgemeinen Energiekollaps kommen“, warnte er.

Er erklärte, dass es eine noch größere Gefahr als die steigenden Energiepreise gebe: Seiner Meinung nach könnte es zu einer Situation kommen, in der man „selbst mit Geld keinen Strom mehr bekommen kann“.

Die Regierung des Landes, so warnte Abrazovic, konzentriere sich jetzt darauf, den schlimmsten Fall zu verhindern, sich aber auch auf ihn vorzubereiten. Er sagte, dass eine der Möglichkeiten, dies zu erreichen, darin bestehe, den Haushalt wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Der Premierminister betonte auch, dass Montenegro im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern zwar nicht vom Erdgas abhängig sei, aber dennoch vorbereitet sein müsse und sich Gedanken darüber machen müsse, „wie man das Beste aus der Tourismusindustrie herausholen kann“.

„Sowohl Covid als auch die durch den Krieg in der Ukraine ausgelöste Krise sollten uns jedoch eine Lehre sein: Wir müssen die Nahrungsmittelproduktion steigern und ein Land werden, das nicht von fremder Energie abhängig ist“. sagte er.

Um unabhängiger zu werden, sollte der Schwerpunkt auch auf dem Bau neuer Energieanlagen liegen, so Abrazovic.

Der Premierminister zeigte sich sicher, dass seine Regierung die Probleme richtig angehe und dass es keinen Grund zur Panik gebe.

Anfang dieses Monats warnte der Leiter der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, die EU, sich auf die Möglichkeit eines völligen Ausfalls der russischen Gasexporte in diesem Winter vorzubereiten, und forderte die Mitglieder der EU auf, die Maßnahmen zur Vorbereitung auf ein solches Szenario auszuweiten.

Deutschland, Österreich, Italien und die Niederlande kündigten an, den Einsatz von Kohle für die Stromerzeugung zu erhöhen, während Schweden und Dänemark erklärten, sie würden auch Sofortmaßnahmen ergreifen, um den Einsatz von Erdgas einzuschränken.

Der europäische Gasmarkt leidet bereits jetzt unter erheblichen Engpässen bei der Einfuhr von Energie. Die Lieferungen von Gazprom aus Russland über die Nord-Stream-Pipeline sind in diesem Monat wegen sanktionsbedingter Engpässe bei Teilen deutlich zurückgegangen.

Die reduzierten Lieferungen kommen zu einer Zeit, in der sich Europa darum bemüht, seine Vorräte für den Winter aufzustocken. Jüngsten Daten zufolge liegen die Gasvorräte auf dem Kontinent derzeit bei 55 %.

Die EU plant, als Teil ihrer Reaktion auf Moskaus Militäraktion in der Ukraine, die Ende Februar begann, bis 2030 aus dem russischen Gasmarkt auszusteigen. Mehrere Länder, darunter auch Deutschland, haben jedoch wiederholt davor gewarnt, dass ihre Volkswirtschaften Schaden nehmen werden, wenn der Zustrom sofort gestoppt wird.