Die derzeitige Energiekrise könnte eine der schlimmsten und längsten in der Geschichte sein, und Europa könnte besonders stark betroffen sein, sagte der Leiter der Internationalen Energieagentur Fatih Birol am Dienstag.

In einem Interview mit dem deutschen Magazin Der Spiegel sagte Birol, dass die Folgen der Ereignisse in der Ukraine die derzeitige Energiekrise wahrscheinlich schlimmer machen werden als die Krisen der 1970er Jahre.

„Damals ging es nur um Öl. Jetzt haben wir eine Ölkrise, eine Gaskrise und eine Stromkrise gleichzeitig“, sagte Birol der Publikation und fügte hinzu, dass Russland vor den aktuellen Ereignissen in der Ukraine „ein Eckpfeiler des globalen Energiesystems war: der größte Ölexporteur der Welt“. Der größte Gasexporteur der Welt, der größte Gasexporteur der Welt, ein führender Kohlelieferant“.

Im Rahmen ihrer Sanktionen gegen die Ukraine führte die EU Beschränkungen für russische fossile Brennstoffe ein und verpflichtete sich, diese schrittweise abzubauen.

Birol warnte, dass die Länder in Europa, die am meisten von russischem Gas abhängig sind, vor einem „schwierigen Winter“ stehen, da „das Gas möglicherweise rationiert werden muss“, auch in Deutschland. Seine Äußerungen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem der staatliche russische Gasversorger Gazprom die Lieferungen an einige Energieunternehmen in Deutschland, Dänemark, den Niederlanden und anderen Ländern eingestellt hat, nachdem diese es versäumt hatten, den Brennstoff gemäß den neuen Anforderungen in Rubel zu bezahlen.

Um die Auswirkungen abzumildern, sollte Europa so viel zusätzliches Gas wie möglich kaufen, z. B. Pipelinegas aus Norwegen oder Aserbaidschan und LNG. Laut Birol könnten Kohlekraftwerke auch teilweise Gaskraftwerke ersetzen.

Auch der nächste Sommer könnte in Europa und den USA aufgrund der angespannten Rohölmärkte schwierig werden, so Birol. Er warnte davor, dass mit dem Beginn der Haupturlaubszeit die Kraftstoffnachfrage steigen wird, was zu „Engpässen, zum Beispiel bei Diesel, Benzin oder Paraffin, insbesondere in Europa“ führen wird.

Im März entwickelte die IEA einen Plan, in dem sie die Einführung eines autofreien Sonntagsverkehrs in den Städten, niedrigere Preise für öffentliche Verkehrsmittel und – in Deutschland – deutliche Geschwindigkeitsbegrenzungen auf den Autobahnen forderte.