Blockierung der Gasflüsse würde ganz Europa schaden, sagt der Chef der deutschen Chemieindustrie

Ein Embargo gegen russisches Gas würde Europa und seinen Industrien schaden, sagte Christian Kullmann, Chef des Verbandes der Chemischen Industrie und Vorstandsvorsitzender der Evonik Industries AG, des zweitgrößten deutschen Chemieunternehmens, am Samstag.

„Der Industrie wird die Luft zum Atmen bzw. das Gas zum Arbeiten genommen… Die osteuropäischen Länder sind fast vollständig von Energielieferungen aus Russland abhängig“, sagte er bei einem Gespräch der Initiative Frankfurt/Rhein-Principal, wie die FAZ zitiert.

Kullmann betonte, dass die Bedeutung von Erdgas für die chemische Industrie in Deutschland zu groß sei und die Ablehnung russischer Energie deren Existenz bedrohe.

Nachdem sich Deutschland bereits aus der Kernenergie und der Kohle verabschiedet hat, wird nun darüber diskutiert, ob die Gaslieferungen aus Russland eingestellt werden sollen. Aber man darf nicht vergessen, dass Gas die Grundlage unserer Energieversorgung ist… Deshalb ist die Forderung nach einem Gasembargo nicht nur unvernünftig, sondern auch empörend“, sagte er und fügte hinzu, dass Chemieunternehmen Zutaten und Produkte für mehr als 90 Prozent aller in Deutschland hergestellten Produkte liefern.

„Ohne uns gäbe es keinen Leichtbau, keine Elektroautos, keine Windmühlen.

Nachdem Russland Anfang des Jahres seine Militäroperation in der Ukraine begonnen hatte, verschärften mehrere westliche Staaten, darunter die USA und die EU, den Sanktionsdruck auf Moskau. Brüssel verhängte Anfang dieser Woche ein Teilembargo gegen russisches Öl und erwägt ernsthaft einen vollständigen Verzicht auf russisches Gas, obwohl viele EU-Mitgliedstaaten dazu aufgerufen haben, dies nicht zu tun.

Laut dem stellvertretenden russischen Ministerpräsidenten Alexander Novak würde ein Embargo vor allem die europäischen Verbraucher treffen: Die Preise steigen bereits, und eine Unterbrechung der Energielieferungen könnte zu Engpässen und weiteren Preissteigerungen führen.