„Es lebte einst das Adelspack, vollgefressen, fett und satt

auf Kosten seiner Untertanen, angeblich auch in Gottes Namen.

Herrscher, Popen und Durchlauchte, die schon damals keiner brauchte, versicherten durch Mord und List, dem Volke, dass es nötig ist, dass sie die Menschen überwachten und im Ernstfall für sie dachten.

‚Wir schützen euch vor bösen Feinden!‘, sagten sie und was sie meinten, war, dass sie dasselbe wollten, wie die, vor den‘ sie schützen sollten.

Und was sie wollten, war nicht wenig, vom Landvogt bis hinauf zum König machten sie gar fette Beute, durch Ausbeutung der armen Leute.

Das Volk indes, so schwach wie dumm, erduldete das lange stumm; zahlte Steuern, ließ sich knechten und tat für seine Herren fechten, verbeugte sich vor Witzgestalten, um diese davon abzuhalten, mehr zu rauben, als sie raubten, wenn sie sich ernstgenommen glaubten.

Die Alten lehrten es den Jungen oder wurden gleich gezwungen, die Jungen an den Staat zu geben, als Leihpfand für ein bessres Leben.

Und wäre nicht ein Krieg gekommen und hätt‘ den Adel mitgenommen – sie würden heute noch wie Bienen fleißig ihrem Kaiser dienen.

Wenn sich im Menschenhirn nichts rührt, braucht es ’nen Führer, der es führt.

Drum dauerte es auch nicht lang, bis der nächste Adel kam.

Er gab sich – anders als die Ahnen – nun volksnah und trug neue Fahnen. Doch sein Geschwätz war altbekannt: ‚Opfert euch für euer Land! Und hört auf die, die oben stehen, dann wird es euch bald besser gehen.‘.

Der Mob, noch immer nicht gescheiter, vertraute diesen Worten heiter. Glaubte, wer immerzu von Pflicht, Disziplin und Ordnung spricht, wie es einst schon die Väter taten, der kann dem deutschen Volk nicht schaden.

Da Zwang, das lernt man schon als Kind, vor allem den Gezwungnen dient und die, die streng und herzlos scheinen, es ja nur gut mit einem meinen.

So reihten sich bald immer mehr ein ins strenge Nazi-Heer,

bis selbst die, die’s besser wussten, mit ihnen mitmarschieren mussten.

Und wer sich noch dagegen wehrte, verzweifelt an den Fesseln zerrte, den schimpfte man erst Volksverräter und erschlug ihn wenig später.

Ohne, dass die Lemmingschar, in deren Namen dies geschah,

dran dachte Widerstand zu leisten. Stattdessen fügten sich die meisten – marschierten stolz von Sieg zu Sieg, hinein in den totalen Krieg.

Und erst, als auch der dümmste Schütze, gesehen hat, dass es nichts nützte, im Bombenhagel zu krepieren oder in Russland zu erfrieren, legten sie die Waffen nieder und sangen wieder Friedenslieder.

Die Freiheit hat das Land ereilt und wenn es auch noch war geteilt.

So hatten alle doch im Sinn, dass es nun endlich aufwärts ging.

Bestimmten Männer, die bestimmten, für all‘ die Stummen, Tauben, Blinden, die auf einmal ‚Wähler‘ hießen und all‘ zu viel beim Alten ließen.

Noch immer schlägt die Polizei in Notwehr manchen Mensch entzwei. Noch immer schießt das Militär Feinde tot und schafft noch mehr.

Noch immer gibt’s ’ne Oberschicht – hat deren Stimme mehr Gewicht, als die der arbeitenden Herden, die immer noch beschissen werden.

Doch abgefüllt mit ‚Brot und Spiele‘, erdulden dieses Leben viele – bis auch die Spiele und das Brot, gestrichen werden in der Not.

Dann schreien sie nach alten Zeiten, nach Adel, Kaiser, Obrigkeiten und dem, der besser als sein Ruf, weil er die Autobahnen schuf.

So lang Menschen nach Reichtum gieren, Neid und Eifersucht verspüren, so lang sie trotten mit den Massen und and’re für sich denken lassen, so lang die Schafe nicht begreifen, dass alle Hirten sie bescheißen, so lange wird das weitergehen, wird nichts dauerhaft bestehen.

Denn jeder Umsturz bringt als Lohn, nur Ruf nach neuer Rebellion.

Sie wälzen um, was grad nicht passt und dann, in eigennütz’ger Hast bauen sie sich eine Welt, die wieder andern nicht gefällt.

Das wird noch tausend Mal passieren, wenn sie nicht endlich mal kapieren, dass Ausweispflicht und Uniformen, Krieg, Bürokratie und Normen, Steuern, Zwang und all der Mist, die Wurzel allen Übels ist

Einst vom Adel eingeführt, hat seither niemand dran gerührt.

So leben wir im Grund noch heute, nach den Ideen dieser Leute, die doch schon damals keiner brauchte – Herrscher, Popen und Durchlauchte.

Man warf die Wichser über Bord, doch ihre Lügen lebten fort.

Bis heute fällt’s den meisten schwer, zu glauben, dass es möglich wär‘, ein Leben ohne die zu führen, die einen führ’n und kontrollieren.

Ein später Lohn für die, die logen und skrupellos ihr Volk betrogen.

Noch immer basiert uns’re Welt auf deren kranken Menschenbild:

Wonach die Freiheit nur durch Zwang aufrechterhalten werden kann und der, der dies nennt ‚Tyrannei‘, bloß ein verrückter Träumer sei.“

Dian the Saint

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