Der amerikanische Präsident wird in den nächsten Tagen eine Reihe von Treffen mit der NATO, den G7 und der Europäischen Union haben.
Auch die Möglichkeit eines „Marshallplans“, um uns aus der Energieabhängigkeit von Russland zu befreien, steht zur Debatte.

WASHINGTON D.C. – „Ich denke, dass der Einsatz chemischer Waffen durch Russland eine reale Bedrohung darstellt“: Joe Biden schlägt erneut Alarm, kurz bevor er an Bord der Air Force One geht, die ihn zu einem dreitägigen diplomatischen Marathon nach Europa bringen wird, der dazu dienen soll, die Einheit des Westens zu stärken, aber auch neue wichtige Entscheidungen in Bezug auf die Kriegshandlungen des Kremls zu treffen und die Ukraine zu unterstützen, die sich seit einem Monat im Kriegszustand befindet.

Am heutigen Donnerstag wird der US-Präsident der mit Spannung erwartete Leiter der drei Gipfeltreffen in Brüssel sein (NATO, G7 und EU), wo er versuchen wird, die Linie zu diktieren, indem er zwischen den wachsenden Divergenzen der verschiedenen Länder vermittelt. Neue Sanktionen (einschließlich amerikanischer Sanktionen gegen russische Duma-Abgeordnete) und die Verschärfung bereits geltender Sanktionen werden erwartet, während Biden einen Plan mit gemeinsamen Maßnahmen zur Stärkung der Energiesicherheit und zur Verringerung der Abhängigkeit von Moskaus Öl und Gas ankündigen wird.

Der Vorstandsvorsitzende von JPMorgan Chase, Jamie Dimon, nannte dies in den amerikanischen Medien einen „Marshall-Plan“ (in Anlehnung an den amerikanischen Plan für den Wiederaufbau Europas nach dem Zweiten Weltkrieg) für den Energiesektor, der Europa vom russischen Joch befreien und auch amerikanischen Unternehmen helfen würde, ihre Produktion in diesem Sektor zu steigern.

Die USA und ihre Verbündeten werden auch die Ostflanke der NATO stärken, auch mit „langfristigen Anpassungen“, wie der nationale Sicherheitsberater Jake Sullivan erklärte. Und sie werden versuchen, in Peking mit Blick auf den EU-China-Gipfel am 1. April „mit einer Stimme“ zu sprechen und vor einer möglichen Unterstützung des Kremls zu warnen.

Doch an Unterschieden mangelt es nicht. So wird beispielsweise darüber diskutiert, ob Kiew von defensiven auf offensive Waffenlieferungen umgestellt werden soll. Oder ob und wie das Energieembargo umgesetzt werden soll. Oder welche Antwort man geben soll, wenn Putin zu chemischen, biologischen oder – noch schlimmer – atomaren Waffen greift.

Schließlich drängen Polen und einige osteuropäische Länder auf eine internationale Friedenstruppe, ein Vorschlag, den die NATO und Biden selbst bisher abgelehnt haben und den Moskau als „extrem gefährlich“ bezeichnet hat. Der amerikanische Präsident wird seine Position am Samstag bei seinem bilateralen Treffen mit dem polnischen Präsidenten Andrzej Duda in Warschau bekräftigen, wo er neue amerikanische humanitäre Hilfe ankündigen und mit Flüchtlingen und US-Truppen zusammentreffen wird.