Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hat am Montagabend für die in Turbulenzen geratene Greensill Bank einen Insolvenzantrag gestellt. Das teilte eine Sprecherin des Amtsgerichts Bremen am Dienstagmorgen auf Anfrage mit. Der Antrag werde nun geprüft. Ob es noch am Dienstag eine Entscheidung geben wird, blieb zunächst unklar. Das Gericht will über den weiteren Verlauf informieren.

Die Bafin hatte die Bremer Tochter des britisch-australischen Finanzkonglomerats Greensill Anfang März bereits für den Kundenverkehr geschlossen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Greensill Bank, die Bafin hatte Strafanzeige gestellt. Dem Vernehmen nach geht es um den Vorwurf der Bilanzfälschung.

Die Bafin erwartet in Kürze eine Entscheidung über die von ihr geschlossene Greensill Bank in Bremen. „Für eine Entschädigung liegen die gesetzlichen Voraussetzungen dann vor, wenn die BaFin in einem nächsten Schritt den Entschädigungsfall der Greensill Bank feststellt. Diese Entscheidung steht unmittelbar bevor“, schrieb die Behörde in der März-Ausgabe ihres Monatsjournals, das am Montag veröffentlicht wurde. Die BaFin hat das Institut Anfang März wegen drohender Überschuldung geschlossen. Bislang kam es noch nie vor, dass ein Institut nach einem Moratorium auf Dauer wieder am Markt aktiv war.

Der Entschädigungsfonds der privaten Banken springt für die Einlagen der Privatkunden ein. Die Gelder von professionellen Anlegern wie etwa Bund, Ländern, Kommunen oder bankähnlichen Kunden unterliegen aber seit Oktober 2017 nicht mehr der Entschädigungseinrichtung. Insidern zufolge stehen bei diesen Kunden etwa 500 Millionen Euro im Feuer. Dass die Gelder von Profi-Anlegern nicht mehr geschützt seien, habe der Verband der privaten Banken BdB kommuniziert und auch in der Fachpresse für Kämmerer sei dies deutlich gemacht worden, erklärte die BaFin. Sie wehrt sich gegen Kritik, nicht früher auf die Probleme bei der Greensill Bank hingewiesen zu haben. Ihr sei es gesetzlich verboten, über Sonderprüfungen oder andere aufsichtsrechtliche Maßnahmen zu informieren.

Laut Bundesfinanzministerium, dem die Bafin unterstellt ist, hat die Behörde das Bremer Geldhaus schon seit über zwei Jahren im Visier. Anfang 2021 setzte sie dort einen Sonderbeauftragten ein. Seit Januar 2019 ließ sie sich monatlich über Bilanzdaten von der Bank unterrichten, wie aus einer Antwort des Ministeriums an die Grünen-Finanzpolitikerin Lisa Paus hervorging.

Die Behörde sei in der entscheidenden Phase den Ereignissen hinterhergelaufen, kritisitierte Paus. „Sie hat sich seit 2019 regelmäßig informieren lassen, aber nicht eingegriffen“, sagte Paus einer Nachrichtenagentur. „Die Aufsicht muss genauso dynamisch sein wie der Finanzmarkt und die Entwicklung in den Banken.“ Schon beim milliardenschweren Wirecard-Bilanzbetrug war der Bafin vorgeworfen worden, zu spät und zu zaghaft gehandelt zu haben.

Die Greensill Bank ist abhängig von der britisch-australischen Finanzgesellschaft Greensill Capital, die in die Insolvenz gerutscht ist. Über die Banktochter in Bremen hat die Gesellschaft in den vergangenen Jahren Milliardengelder von Sparern eingeworben, mit denen Geschäfte in der Lieferketten-Finanzierung abgesichert wurden. Die BaFin hat zudem die Verantwortlichen der Bank bei der Staatsanwaltschaft Bremen angezeigt, da das Institut für Forderungen in der Bilanz teilweise keine Nachweise liefern konnte.

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