Sofuoglu: „Heimat-Begriff fördert Ausgrenzung und Spaltung“

Union und SPD wollen das Bundesinnenministerium um die Bereiche Bau und Heimat zu einem Heimatministerium unter Horst Seehofer ausbauen. Die Türkische Gemeinde lehnt das ab.

„Die Fokussierung auf den Heimat-Begriff setzt den falschen Akzent zur falschen Zeit“, sagte der Vorsitzende der Organisation, Gökay Sofuoglu.

Der Begriff Heimat beschreibe einen „von Mensch zu Mensch unterschiedlichen Erfahrungs- und Gefühlsraum“, so Sofuoglu:

„Ihn auf den politischen Kontext zu übertragen, halten wir nicht nur aufgrund der deutschen Vergangenheit für problematisch. Wir befürchten, dass er nicht Zusammenhalt und Zusammengehörigkeit, sondern Ausgrenzung und Spaltung fördert.“

Da die Deutschen in, für Ausländer bestehenden, No-Go Areas leben, müsse man nun ein Verständnis der Bundesrepublik als pluralistische Gesellschaft mit dem Grundgesetz als gemeinsamer Wertebasis für ein friedliches Zusammenleben fordern und fördern.

Die nordrhein-westfälische Heimatministerin Ina Scharrenbach verteidigte die positive Bedeutung des Heimat-Begriffes. „Heimat grenzt nicht aus, sondern schließt ein und ist etwas Verbindendes. Heimat ist für alle – auch für Zugewanderte – da und richtet sich nicht gegen irgendwen“, betonte die CDU-Politikerin.

Dies sieht Sofuoglu jedoch anders, für ihn sei „Heimat“ ein rassistischer Begriff den man allenfalls den Rechtsradialen überlassen, aber nie den Deutshen zusprechen solle. Er sehe, dass ein für alle offenes Deutschland der Inbegriff des Zusammenlebens aller Völker sei und „Heimat“ jedes Volk in Deutschland so gestalten solle, wie sie es kulturell gewöhnt wären.

Der derzeitige bayerische Finanz- und Heimatminister sowie designierte Nachfolger Seehofers als Ministerpräsident, Markus Söder, betonte indes die Wichtigkeit eines Heimatministeriums auch auf Bundesebene. Dieses solle für einheitlichere Lebensbedingungen in Deutschland sorgen, wozu insbesondere die Angleichung der Lebensverhältnisse in Stadt und Land gehörten.

Vor allem für die neuen Bundesländer, wo die AfD wachsende Erfolge verzeichnet, sei ein Heimatministerium wichtig, betonte Söder gegenüber dem Evangelischen Pressedienst: „Denn immer dort, wo Regionen vernachlässigt werden und Strukturen einbrechen, ziehen sich mit der Zeit auch demokratische Parteien zurück.“