Wer hätte das je gedacht, dass man die Kolonialherren vertreibt, die noch Anwesenden in einem vergessenen Genozid auslöscht und dann lauthals durch die Savanne brüllt, dass man Hunger hat und die guten alten Zeiten wieder kommen mögen?

In Namibia offenbart sich das afrikanische Dilemma: Während ein Teil der afrikanischen Einwohner weiterhin auf Enteignung der weißen Farmer drängt, lassen bereits mit Land beschenkte Schwarze die ehemals blühenden Besitzungen mangels wirtschaftlicher Kenntnisse sträflich verkommen, die Produktivität sinkt. In Simbabwe zeigt die Unfähigkeit im Umgang mit ökonomischen Grundsätzen ähnliche Folgen.
So lässt der Aufruf des Kameruner Filmemachers Jean-Pierre Bekolo aufhorchen. Hiernach seien nicht die alten Kolonialmächte am Elend des Schwarzen Kontinents schuld, sondern die Afrikaner selbst. „Das koloniale Projekt war viel erfolgreicher, als seine Initiatoren es je vermutet hatten“, versucht Bekolo seine Landsleute zu belehren und verlangt gar die Rückkehr der ehemaligen Kolonialisten. „Wir müssen die Uhr bis zu dem Punkt zurückdrehen, wo die Dinge anfingen, schiefzulaufen“, so sein Postulat.

Kritiker wie die Intellektuellen Georg Ayittey, Andrew Mwenda, Roger Tagri, James Shikwati und Chika Onyeani bemängeln unisono, die neuen Führer befänden sich meist auf einem Egotrip zur eigenen Bereicherung durch die Ausbeutung der Ressourcen, ohne dem eigenen Volk einen entsprechenden Teil zugutekommen zu lassen. Es werde dank der Geschenke von Geberländern eigentlich nur zementiert, was es zu überwinden gelte. Statt sinnvoll zu investieren, werde das Geld für Waffenkäufe und die Festigung einer Tyrannenherrschaft verschleudert. Der Generalsekretär des Pan African Movement, Tajudeen Abdul Raheem, klagt gar: „Wir werden durch solche westlichen Kampagnen infantilisiert.“ In diesen Kreisen kursiert ohnehin der Leitsatz zur Alternative der heutigen Gießkannenhilfe: „Bring the colonial master back.“

Auch Kenia verschenkte durch Streitigkeiten um die Führung den glänzenden Status einer „Schweiz Afrikas“, den es noch unter seinem ersten, charismatischen Führer Yomo Kenyatta beanspruchen konnte. Solche Zustände prangert seit Langem der kenianische Politikwissenschaftler Michael Chege an, unterstützt vom nigerianischen Literaturnobelpreisträger Wole Soyinka. Ganz klar brachte diese auch Mwenda in der Züricher „Weltwoche“ zum Ausdruck: „Warum kommt ihr nicht, rekolonialisiert unsere Länder, stürzt unsere Politiker und bringt eure Standards hierher?“

Na da halb Afrika bereits in Europa einmaschierte, stellt sich die Frage, ob die Länder in Afrika nun rekolonialisiert oder der Rest der Afrikaner  nach Europa geholt werden sollen.